12 juillet 2006
Die erste Nacht
Schade, dass sich der Geruch der frischen kühlen Sommernacht nicht einfangen lässt. Das hingebungsvolle Einsaugen der Nachtluft, das kribbelnde Gefühl weil man bei sich weiss, den Weg, den der unruhige Atem zurücklegt, genau spüren zu können... das Parfum der Nacht
Schade, dass sich die dunkelsamtene Schwärze der Nacht nicht aufbewahren lässt, die sich allein um den Körper schmiegt wie eine perfekt sitzende zweite Haut, eine durchsichtige Elefantenhaut die uns gleichzeitig beschützt und trotzdem mehr durchlässt als tags, die unser gesamtes Handeln und Denken ändert... solang sie da ist
Zu schade, dass der Augenblick des ersten erlösenden Regentropfens auf der Haut so unendlich schnell vorbei ist viel zu schnell zu schnell, um je genug davon bekommen zu können zu schnell um die Augen zu schließen und sich darin verlieren zu können das Warten auf den Zweiten und Dritten viel zu schnell vorbei, das freudige Gefühl des Fragens, ob man sich den alles erlösenden Augenblick nicht nur eingebildet hätte, das Hoffen und Warten
Zu schade, dass die Nacht nicht halb nicht viertel nicht hundertachtundzwanzigstel so langsam vorbei ist, wie man es sich hofft wie man danach sehnt, zu schade wenn die Kühle weicht und das schweigende gütig lächelnde und Jedem bekannte Gesicht des Wesens, das mehr als nur Nacht war, ist, sein wird, verblasst, verschwindet, hinabtaucht in ihr Reich zurück
Zu schade, dass man sich nicht ewig in den Worten verlieren kann, drin versinken und sich darin einhüllen wie in Seide, frische wohltuende Seide, beruhigende Seide, die niemals wehtun könnte oder unangenehme Überraschungen bürge
Zu schnell ist es vorbei und seufzend drehe ich mich weg vom Fenster, den Augenblick in meinem Herzen bewahrend, auf den Nächsten wartend, in der leisen Gewissheit, dass er kommen wird. Der Moment, der mein Herz beruhigt und alle Schatten daraus wegstrahlt, so kraftvoll wie tausend Sonnen.
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